INFO Bodensee vom 29.11.2000

Lars Höllerer: Malerei als neuer Lebensinhalt

MARKDORF / SIPPLINGEN - Mit Unterstützung der Schwäbischen Zeitung und INFO - der regionalen Wochenzeitung - bietet Lutz Delitzsch behinderten Künstlern ein Forum zur Präsentation ihrer Werke im Internet. Unter der Adresse "www.kuenstler-extra.de" können sich behinderte Künstler drei Monate gratis im world-wide-web präsentieren. Den Auftakt machte der Überlinger Maler Lars Höllerer, den wir heute vorstellen.
Von Michael Kleinganz

Ein schwerer Motorradunfall veränderte 1991 das Leben des damals 21-jährigen. Seitdem ist Lars Höllerer vom Hals an abwärts gelähmt und an den Rollstuhl gefesselt. Dieser Schicksalsschlag indes sollte ihn endgültig den Weg zur Malerei eröffnen.

Während der ergotherapeutischen Behandlung an der Tübinger Unfallklinik begann Lars Höllerer zunächst mit Aquarellmalen. 1992, nach seiner Rückkehr in die nunmehr behindertengerecht eingerichtete Wohnung in Überlingen, versuchte er sich an Ölfarben, denen er bis heute treu geblieben ist. Diese Maltechnik, also das schichtweise Auftragen der Farben, die Möglichkeit, dadurch immer wieder korrigieren zu können, kommt ihm sehr entgegen.

Denn Lars Höllerer sind auf Grund seiner körperlichen Verfassung buchstäblich die Hände gebunden. Dafür beschritt er einen anderen, ungleich schwierigeren Weg: Lars Höllerer setzte alle Energie daran, den Pinsel kunstgerecht mit dem Mund zu führen - zunächst als Autodidakt und seit 1997 als Absolvent der Freien Kunstakademie Mühlhofen unter fachkundiger Anleitung von Sibylle Werkmeister. "Seitdem macht es richtig Spaß", sagt Lars Höllerer, der sich mittlerweile ins fünfte Semester vorgearbeitet hat.

Sein Vorbild ist Paul Cezanne

Als technisches Vorbild gibt der junge Künstler Paul Cezanne an, der erste Ansätze von Abstraktion in die bis dahin gegenständliche Malerei einfließen ließ. Genau wie der berühmte Franzose fühlt sich Lars Höllerer noch der gegenständlichen, aber bereits impressionistisch aufgelösten Darstellung verhaftet. Mit Cezannne teilt er ebenfalls die Vorliebe für Landschaftsmotive, die er sowohl in der näheren Umgebung als auch in Bildbänden vorfindet.

Viele von Lars Höllerers Gemälden schäumen indes über vor kräftig-plakativen Farben, pastellene Zurückhaltung ist da eher die Ausnahme. Längst ist die Malerei zur wichtigsten Beschäftigung für den 31-jährigen geworden. "Durch den Unfall habe ich viel verloren, aber ich habe einen Lebensinhalt gewonnen", erzählt Lars Höllerer. Auf die Glücksgefühle, die Bestätigung, die ihm die kreative Arbeit an der Staffelei vermittelt, möchte er nicht mehr verzichten.

>>> Dieses Portrait erschien am 01.12.2000 auch in der Schwäbischen Zeitung




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